Die Städtische Galerie Wolfsburg hat 2019 den in Berlin lebenden Künstler Michael Müller (*1970) eingeladen, eine experimentelle Neupräsentation der Sammlung zu kuratieren. Der Künstler zeigt einen Ausstellungszyklus, der sich über den Zeitraum von mehreren Jahren erstreckt und die Sammlung in sieben aufeinanderfolgenden Fassungen vorstellt. Es werden dabei verschiedene formale wie inhaltliche Schwerpunkte gesetzt.

In der aktuell vorgestellten fünften Fassung widmet sich Michael Müller erstmals einem Thema. „Mensch, der / Körper, der die, das“ beleuchtet verschiedene Facetten der Körperlichkeit und unseres Gefühls für den Körper – eine in Zeiten gentechnischer Reproduktionen und operativer Optimierungen des Leibes eine höchst virulente Fragestellung, die zu interessanten An- und Einsichten führt.

Überblendet wird diese Präsentation mit der fiktiven Schau „Alte Meister. Tintoretto in Wolfsburg“, welche die sechste Fassung darstellt. Der Titel „Alte Meister“ nimmt Bezug auf den gleichnamigen Roman von Thomas Bernhard und beinhaltet Texte von Leszek Stalewski.

Es geht dabei um Erwartungshaltungen an eine Ausstellung und die Überbewertung von sogenannten Blockbustern. Die wertvolle Sammlung vieler Museen tritt im Zuge einer übersteigerten Eventkultur meist in den Hintergrund.

Die Sammlung der Städtischen Galerie Wolfsburg findet ihre Identität in dem Schwerpunkt Kunst aus dem deutschsprachigen Raum nach 1945. Sie wird durch einen beachtlichen Bestand internationaler Druckgrafik ergänzt. Ein dritter Schwerpunkt bildet das Medium Fotografie. In die aktuelle Fassung integriert Michael Müller nicht nur Exponate der Sammlung, die vor 1945 entstanden sind, sondern erweitert die Präsentation auch um zahlreiche Leihgaben sowie eigene Werke, um sie in einen spannungsreichen Dialog mit dem Sammlungsbestand zu setzen.

Der Ausstellungsraum im Schloss Wolfsburg baut eine besondere Spannung auf. Die Räume stellen ein konträres Modell zum "white cube" dar, denn es handelt sich um Wohn- und Repräsentationsräume, die bis Mitte des 20. Jahrhunderts das Heim der Familie der Grafen von der Schulenburg waren.

Eine Reminiszenz an diese Zeit sind das Paar - wie zufällig hingeworfene - Handschuhe des ehemaligen Schlossherrn Günzel Graf von der Schulenburg, die die Präsentation im Westflügel einleiten. Die Hand mit der wir greifen und fühlen wird ebenso thematisiert wie unsere zweite Haut, die Kleidung oder der Akt und immer wieder der Blick. Der voyeuristische Blick aber auch der Blick weißer Künstler*innen auf fremde Kulturen und fremde Menschen werden diskutiert.

Die Ausstellung zeigt Werke von: Rebecca Ackroyd, Mahdad Alizadeh, Horst Antes, Dieter Appelt, Art & Language, Michael Badura, Georg Baselitz, Max Beckmann, Hans Bellmer, Joseph Beuys, Mel Bochner, Peter Bömmels, Louise Bourgeois, AA Bronson und Mark Jan Krayenhoff van de Leur (in Kollaboration mit Reima Hirvonen, AA Bronson (in Kollaboration mit Bradford Kessler), Lovis Corinth, Jim Dine, Martin Disler, Gerd van Dülmen, Ernst Fuchs, Alberto Giacometti, George Grosz, Karl Hartung, Heinrich Heidersberger, Karl Hofer, Rudolf Hoflehner, Martin Honert, Nan Hoover, Alfred Hrdlicka, Alexei von Jawlensky, Alan Kaprow, KAYA (Kerstin Braetsch & Debo Eilers), Ernst Ludwig Kirchner, Manuel Kirsch, Max Klinger, Michael Koch, Jiri Kolar, Käthe Kollwitz, Hermann Kracht, Alfred Kubin, Maria Loboda, Robert Mapplethorpe, André Masson, Duane Michals, Henry Moore, Andreas Mühe, Michael Müller, Ernst Wilhelm Nay, Siegfried Neuenhausen, Hermann Nitsch, Emil Nolde, Max Pechstein, João Penalva, Sigmar Polke, Laure Prouvost, Anton Räderscheidt, Mel Ramos, Brigitta Rohrbach, Salomé, Thomas Scheibitz, Claudia Schink, Karl Schmidt-Rottluff, Michael Schoenholtz, Anja Schrey, Günzel von der Schulenburg, Thomas Schütte, Michael Schwarze, Toni Stadler, Heiko Tiemann, Andy Warhol, Tom Wesselmann, Lambert-Maria Wintersberger

Wir danken herzlich den Leihgebern für die freundliche Unterstützung: carlier | gebauer, Peres Projects, r/e collection, Galerie Stefan Röpke, Deborah Schamoni Galerie, Esther Schipper, Galerie Thomas Schulte, Sprüth Magers

Laufzeit der fünften Fassung vom 17. Juli 2021 bis 19. Januar 2022

Weitere Informationen zu unserer Sammlungspräsentation "Deine Kunst", kuratiert von Michael Müller, finden Sie hier:

https://www.staedtische-galerie-wolfsburg.de/ausstellungen/westfluegel/

Ein Überblick über die bisherigen Fassungen: https://www.staedtische-galerie-wolfsburg.de/ausstellungen/deine-kunst/

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