In der Ausstellungsreihe “Trouvaille“ widmet sich die Städtische Galerie Wolfsburg dem maßgeblichen Werk von Künstlerinnen und Künstlern der Sammlung, die wichtige Impulse gegeben haben, aber im aktuellen Ausstellungsgeschehen weniger vertreten sind. So zeigt die Ausstellung von Helmut Schweizer erstmals in einem Überblick Arbeiten aus dem Werk des in Düsseldorf lebenden Künstlers, die seit 1969 entstanden sind. Ausgehend von einem offenen und multimedialen Kunstbegriff, der sich in der geistesverwandtschaftlichen Nähe zur gesellschaftlich-kritischen und konzeptuell geprägten Kunst befindet, wie sie sich seit den 1960er Jahren exemplarisch mit dem Werk von Joseph Beuys oder Bruce Nauman in der Gegenwartskunst entwickelt, beinhaltet das Werk von Helmut Schweizer nach Anfängen im Bereich der Installations- und Aktionskunst, Filmen und konzeptuellen Fotoserien (z.B. „Handlungen–Erinnerungen“) bis heute ein Zusammenspiel von unterschiedlichen Medien und experimentellen Formfindungen. Komplexe Zusammenhänge aus unserem Verhältnis zur Natur, Landschaft und Kultur, die seit dem 20. Jahrhundert auch das kritische Themenfeld der atomaren Bedrohung und der Vergegenwärtigung der Natur-Energie-Ressourcen einschließen, finden ihre Übersetzung in einer Vielfalt von formalen und ästhetischen Möglichkeiten.

Zum Leitmotiv aller Entwicklungsphasen seit Ende der 1960er Jahre wird bei Helmut Schweizer dabei das Motiv des Laboratoriums, was in den Werken sowohl motivisch anschaulich wird, aber darüber hinaus auch allgemein als Metapher für das Leben und existenzielle Prozesse verstanden werden kann. Es findet seine Übersetzung in unterschiedliche Medien, beispielsweise komplexe und gleichzeitig fragile Skulpturenensembles, die oft Glaskörper mit chemisch reagierenden Flüssigkeiten beinhalten und sich mit Phänomenen wie Energie, Farbveränderungen und Andeutungen der Bedrohung durch Elementarstoffe beschäftigen. Bewusst erfolgt hierbei die Anspielung auf die Atomenergie. Neben diesen skulpturalen Inszenierungen zeigt beispielsweise die Serie „46Null6“ als Serie digitaler Pigmentdrucke komplexe Bild-, Text- und Farbcollagen. Auf der Basis der Überlagerung von Bildern, Texten und Farbfeldern reflektiert auch diese Serie die kulturelle Entwicklung des Menschen im 20. Jh. als komplexes Laboratorium. Bildausschnitte aus unterschiedlichen Arbeitssituationen – auch hier häufig das Labor – werden überlagert von Farbfeldern und Textzitaten, die aus bekannten Musikstücken der Pop-, Jazz- und Rockmusik stammen. So entsteht ein komplexes Bild-Gedankenlaboratorium, das sich dem Betrachter suggestiv aus Bildgründen intensiver Pigmentierung erschließt.

Ebenso werden innerhalb der Ausstellung einige in situ Arbeiten für Wolfsburg entstehen, sollen auch diese und der Entstehungsprozess als „soziales Laboratorium“ dokumentiert werden. So wird zum Beispiel eine in Zusammenarbeit mit der Bevölkerung Wolfsburg entstehende Lampenskulptur, die den alten Kronleuchter der Städtischen Galerie/Schloss Wolfsburg einbindet und die Bürger und Interessierte einlädt, Glühbirnen aus aller Welt mitzubringen, die den alten Leuchter, der durch einen neuen ersetzt werden soll, ins Bewusstsein rücken. Ebenso wird ja auch die Glühbirne nicht mehr hergestellt und erlaubt sein, so dass auch an diese Erfindung, die an sich schon eine philosophische Dimension beinhaltet, erinnert wird.

Anlässlich der Ausstellung erscheint eine Publikation im Salon Verlag, Köln und die Edition: "Inscription to B.P." 2003/2010, Digitalprint auf Alucobond, 50,8 x 80,3 cm, Auflage 30+3 E.A. Subskriptionspreis für die Edition bis 30.12.2010: 280 € (danach 400 €) plus 20 € Versandkosten.

Die Arbeit "Inscription to B.P." erscheint zunächst sehr rätselhaft, demonstriert aber in sehr anschaulicher Form die komplexe Arbeitsweise Helmut Schweizers. Das bearbeitete Werk setzt sich aus mehreren Ebenen zusammen. Den Hintergrund bildet ein angeschnittenes Porträt, welches den Fokus auf Augen- und Nasenpartie legt. Zwei wache Augen blicken den Betrachter unumwunden an. Über dieses Gesicht ist eine Landkarte der Vereinigten Staaten von Amerika gelegt, welche eine Auswahl von Atomkraftwerkstandorten der USA kennzeichnet. In Zusammenhang mit dem überlagerten Text "Die Sklaverei wurde nicht vom Markt abgeschafft, sondern von der Politik" wirkt die Verbindung aus Text und Bildern noch verwirrender. Denn offensichtlich erschließt sich kein Berührungspunkt mit der Problematik der Sklaverei (natürlich davon abgesehen, dass die USA für ihre Kolonialisierung im 16. und 19. Jahrhundert die bereits begonnene Versklavung fortsetzte). Dennoch zeigt der Kartenausschnitt, wie bereits dargelegt, keine Markierungen historischer Sklaverei, sondern die Ergebnisse der Atomforschung und ihre unaufhaltsame Ausweitung (insofern begibt sich der zivilisierte Mensch in die Abhängigkeit der Wissenschaft und ihren Errungenschaften).

Dates

  • 25. November 2010 20.30 cet
    Film "Das China-Syndrom" mit Jane Fonda und Michael Douglas im Kino Hallenbad, Schachtweg 31, 38440 Wolfsburg (Eintritt 4,00€)
  • 05. December 2010 14.00 cet
    Kurzführung durch die Ausstellung
  • 05. December 2010 16.00 cet
    Kurzführung durch die Ausstellung

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20. January 2011