Ausblick auf das Herbstprogramm

05. August 2014

Kurz vor unserem Jubiläum feiern wir am 14. Oktober Geburtstag mit der Künstlerin Rose Wylie, die bis zum 1. Februar 2015 unter dem Titel "PINK GIRLS, YELLOW CURLS" eine Ausstellung mit Arbeiten auf Papier präsentieren wird.

Zentraler Ausgangspunkt für die Arbeiten von Rose Wylie sind ihre persönlichen Erinnerungen und Erfahrungen, kombiniert mit Momenteindrücken aus Filmen. Sie nimmt Bezug auf Bilder und Wahrnehmungen aus der Kunst- und Zeitgeschichte, überarbeitet ihre Zeichnungen immer wieder, collagiert und stellt neu zusammen, bis sie ein zufriedenstellendes Ergebnis erreicht hat. Durch die Verknüpfung von Bildern aus verschiedenen Quellen mit persönlichen Elementen, schafft Rose Wylie einen direkten und ironischen Kommentar zur zeitgenössischen visuellen Kultur.
Die Städtische Galerie Wolfsburg ist das erste Museum in Deutschland, das eine Auswahl ihrer Arbeiten auf Papier präsentiert.
Rose Wylie wurde 1934 in Kent geboren und studierte in den 1950er Jahren an der Folkestone and Dover School of Art. Sie beendete ihr Studium erst 25 Jahre später am Royal College of Art, nachdem ihre Kinder erwachsen waren und startete deshalb spät mit ihrer künstlerischen Karriere.

Im Herbst wird die Städtische Galerie Wolfsburg 40 Jahre alt und das möchten wir mit Ihnen am 21. Oktober um 19 Uhr im Gartensaal feiern. Seit 1974 ist die Städtische Galerie Wolfsburg im Schloss Wolfsburg beheimatet und präsentiert zeitgenössische Kunst auf nunmehr sechs Ausstellungsetagen. Dabei stehen die Architektur des Baudenkmals norddeutscher Renaissance und moderne Kunst in einem Dialog, der sich auch außerhalb der dicken Mauern bis auf den Landschafts- und Skulpturenpark ausdehnt.

Zum Jubiläum des vor 40 Jahren gegründeten Museums für zeitgenössische Kunst der Stadt Wolfsburg präsentiert die Städtische Galerie unter dem Titel "FÜRS ALL GENUG" erstmals Teile ihres dauerhaften Sammlungsbestandes in einem wechselseitigen Dialog mit temporären Wandmalereien des Künstlers Roland Schappert.

Im Zentrum der Museumsarbeit der Städtischen Galerie und vor dem Hintergrund der Unmöglichkeit eines globalen, kunstgeschichtlich vollständigen Sammelns, steht das Ziel, individuell-substanzielle, zeitgenössische Positionen aufzuspüren, um damit ein unverwechselbares und eigenständiges Sammlungsprofil auszubilden.

Gesammelt wird seit den 1950er Jahren insbesondere Malerei und Skulptur nach 1945 aus dem deutschsprachigen Raum. Im Bereich der Neuen Medien, Video, Film und Fotografie sowie den druckgrafischen Medien wird international gesammelt, um bereits vorhandene Sammlungsschwerpunkte zu erweitern, neue Entwicklungslinien aufzuweisen und die Wechselwirkung über nationale und mediale Grenzen hinweg sichtbar zu machen.

Mit herausragenden Werken bedeutender künstlerischer Positionen ist es der Sammlung heute möglich, die wichtigsten Tendenzen, insbesondere der deutschen Kunstgeschichte, in einen gesellschaftlichen und historischen Zusammenhang zu stellen, auf besondere ästhetische Traditionen zu verweisen und zugleich die Anbindungen zu aktuellen künstlerischen Entwicklungen und Strömungen herzustellen. Damit leistet die Städtische Galerie nicht nur einen wichtigen wissenschaftlichen Beitrag, sondern trägt auch wesentlich zur Entwicklung der kulturellen Identität in der Region bei.

Seit Langem tragen dazu in besonderer Weise auch die vielen künstlerischen Arbeiten der Sammlung bei, die raum- und kontextbezogen für das Museum entwickelt wurden und in ihrem in situ Charakter das Sammlungsprofil bereichern und das Publikum zum aktiven Sehen, zum Dialog und zur Partizipation einladen.

Mit der Neupräsentation der Sammlung unter dem Titel „FÜRS ALL GENUG“ nimmt das Museum diese wichtige Traditionslinie nicht nur auf, sondern entwickelt diese nun erstmals im direkten Dialog mit einem Künstler auf der Ebene der Sammlungspräsentation weiter.

Roland Schappert, 1965 in Köln geboren, arbeitet an der Schnittstelle von Text, Zeichnung, Malerei, Grafik, Video, Dichtkunst und Essay. Sein Anliegen ist es, das Bild undogmatisch und frei zu denken und die Wirkungsmöglichkeiten bildnerischer Gattungen sowie ihre Grenzen immer wieder neu auszuloten und zu befragen. Hierfür bedient sich der Künstler unterschiedlichster Bild- und Textfragmente, aus denen er im Prozess von Überlagerung, Überschreibung, Ausstreichen und Auswischen, seine Wandschriftbilder entwickelt.

An diesem Abend wird auch die Premiere eines Filmes sein, der zum Jubiläum der Städtischen Galerie Wolfsburg gedreht wurde.

Eine zweite Ausstellung, die sich ebenfalls mit dem Schloss Wolfsburg als Ort für zeitgenössische Kunst auseinandersetzt und an diesem Abend eröffnet wird, ist "CASTLE DIS-PLAY". Unter diesem Titel haben sich zahlreiche Künstlerinnen und Künstler zusammengefunden und die Ausstellung will mit gleichermaßen ungewöhnlichen wie vielfältigen künstlerischen Arbeiten eine Auseinandersetzung mit den Mechanismen der Präsentation von Kunst in Ausstellungen und dem Verhältnis zum gegebenen Ausstellungsort anregen.

Dabei begibt sich die Gruppenshow auf eine selbstreflexive Ebene als Ausstellung über das Ausstellen. Visuelle Zeigegesten werden auf ästhetischer Ebene anhand von Werken verschiedener junger Künstler und Künstlerinnen aufgegriffen und hinterfragt. In dem Wortspiel „CASTLE DIS-PLAY“ wird nicht nur mit dem Instrument der Ausstellungsdarbringung – im Englischen „Display“ – gespielt, sondern auch mit dem Schloss als Ort der ausstellenden Institution. Die Städtische Galerie Wolfsburg ist nun seit 40 Jahren in dem über 700-jährigen Schloss beheimatet, sodass in die alten Schlossmauern weiße Ausstellungsräume eingebaut wurden, die das Konzept des White Cubes aufgreifen, jedoch immer auch mit einer jahrhundertealten Geschichte konfrontiert sind. Diese Verortung zeitgenössischer Kunst in einem Präsentationskontext wird in dieser Gruppenausstellung mit Werken u.a. von Jenny Feldmann, Jenny Michel, Ingo Mittelstaedt, Noor Nuyten, Zahava Rodrigo, Matthias Ruthenberg + Daniel Neubacher, Tina Tonagel und Luca Vanello thematisiert.

Ab 29. November zeigen wir Arbeiten auf Papier, Gemälde und Skulpturen von HP Zimmer (1936 bis 1992). Er lebte in Braunschweig und war dort seit 1982 Professor an der Hochschule der Bildenden Künste. Das außerordentliche Werk von HP Zimmer ist seit Anfang der 1990er Jahre selten gezeigt worden – und wenn dann meist in Zusammenhang mit der Gruppe SPUR. Die Ausstellung ist die erste museale Präsentation seit über 20 Jahren.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!